Montag, 24. Juni 2019

Vorstandswahlen beim FC Nordkirchen - Interview mit Stefanie Benting

 Interview von Sebastian Reith, Ruhr-Nachrichten mit Stefanie Benting


Wann haben Sie sich entschieden, im Hauptvorstand mehr Verantwortung zu übernehmen?

Da ich Abteilungsvorsitzende im Basketball war, bin ich ja schon einige Jahre im Hauptvorstand mit dabei. Die Idee ist aufgekommen, als Michael Jung mitgeteilt hat, dass er aus beruflichen Gründen den Vorsitz niederlegen möchte. Aber ich hatte zwei Bedingungen formuliert: erstens, dass der Vorstand im Groben zusammenbleibt, weil es mir in dem bisherigen Team sehr viel Spaß gemacht hat. Und die zweite war natürlich, dass ich in meiner Abteilung eine vernünftige Nachfolgeregelung finden kann.

 

Sie waren 15 Jahre Basketball-Vorsitzende. Schwingt da etwas Wehmut mit?

Ja klar war es mit Wehmut verbunden. Letzten Freitag auf der Abteilungsversammlung war es schon emotional für mich. Die Basketballabteilung ist einfach meine Abteilung. Aber der FC ist auch mein Verein. Er liegt mir sehr am Herzen. Vielleicht ist jetzt auch einfach die Zeit gekommen, mich etwas anders einzubringen.

Nach über 15 Jahren übergibt Stefanie Benting den Vorsitz der Basketballabteilung des FC Nordkirchen an Daniela Klodt (r.), Spielerin des Landesliagsteams. Gleichzeitig wurde Laura Wüllhorst (l.) in der Abteilungsversammlung zu ihrer Stellvertreterin gewählt. © FC Nordkirchen

 

 

Wie hat sich der Basketball in den letzten Jahrzehnten verändert?

Regeländerungen gab es ganz viele. Als ich angefangen habe, gab es noch die Regel, dass man nur den zweiten Freiwurf bekommt, wenn man den ersten getroffen hat. Die Drei-Punkte-Linie gab es gar nicht und wir haben mit den Männerbällen gespielt. Ich bin 1986 mit einem ganzen Schwung Mädels zum Basketball gekommen. Man muss auch sagen, dass das Spiel körperlicher geworden ist und mehr von der Taktik geprägt ist. Und sicherlich ist es auch schneller geworden, aber das ist vielleicht auch nur ein subjektiver Eindruck. (lacht)

Stefanie Benting (r.) beim Jubiläumsspiel der Abteilung Basketball. © Jürgen Weitzel

 

 

In Sportvereinen übernehmen den Vorsitz oft immer noch Männer. Werden Sie oft darauf angesprochen, dass Sie die erste Vorsitzende des FC Nordkirchen geworden sind?

Das ist gestern direkt nach der Sitzung gewesen. Einige haben gesagt, dass sie es begrüßen, dass es jetzt auch mal eine Frau macht. Aber auch im Vorfeld, als meine Kandidatur sich herumgesprochen hatte, wurde gesagt, dass es schön sei, wenn es jemand außerhalb der Fußballabteilung macht.

 

Welche Ziele haben Sie mit dem FC Nordkirchen?

Der Verein und die Vorstandsarbeit haben sich sehr positiv entwickelt. Wir haben eine gute Qualität in den Vorstand bekommen mit vielen zuverlässigen und engagierten Leuten. Diese gute Arbeit von Michael Jung und der anderen Vorstandsmitglieder würde ich gerne fortsetzen. Das ist für mich der Maßstab. Es geht mir um einen guten Umgang untereinander. Klar ist, dass jeder auch bei seiner Abteilung ist, das ist auch richtig so. Aber alle sollten das große Ganze im Blick haben und nicht nur ihr Abteilungsdenken.

 

Wie ist der Stand beim Neubau der Kabinen im Nordkirchener Stadion?

Die Container sollen durch einen Neubau ersetzt werden. Die Fußballabteilung hat schon erste Entwürfe gemacht. Dazu müssen wir jetzt Kosten ermitteln. Die Gemeinde Nordkirchen hat in den Haushalt Mittel eingestellt. Das wird jetzt Fahrt aufnehmen und sicherlich einer der Schwerpunkte in den kommenden Monaten werden.

Ist der Fußball nicht zu dominant in der Gesellschaft?

Ich bin seit meiner Kindheit ein ziemlich großer Fußballfan. Wenn man sich den Hobbybereich anguckt, ist es nicht zu dominant. Im Verein stört mich das auch nicht. Wir sind nunmal ein Fußballverein, was auch historisch bedingt ist. Wir sind so gewachsen. Heute stehen die anderen Abteilungen aber auch gut da. In der Bundesliga und Champions League nimmt es aber Auswüchse an, die nicht mehr so viel Spaß machen. Kommerzialisierung, neue Wettbewerbe und Pay-TV-Vermarkung nehmen Formen an, bei denen die Menschen nicht mehr bereit sind, jeden Weg mitzugehen.

Hat der FC Nordkirchen das Zeug, mal überregional größer rauszukommen?

Möglich wäre das, aber das hängt auch mit entsprechenden Sponsoren im Hintergrund zusammen. Davaria Davensberg war auch ein Verein, der hoch gespielt hat. Da steckte ein Sponsor hinter, mit dem alles steht und fällt. Ich weiß nicht, ob es eine gesunde und wünschenswerte Entwicklung wäre. Momentan wird bei uns geschätzt, dass viele Spieler der aktuellen Mannschaft einen Bezug zu Nordkirchen haben. Die Leute gehen wieder gerne zum Platz. Warum soll man da Sachen ändern? Aber ich weiß auch, dass der Fußball seine eigenen Gesetze hat.

Der Fußballmannschaft des FC Nordkirchen gilt als sehr teuer. Ist Ihnen das kein Dorn im Auge?

Auch im Amateurfußballbereich gibt es diese Regelungen, die wir auch gar nicht zurückdrehen müssen und wollen. Mir ist wichtig, dass es einen gesunden und vernünftigen Mittelweg gibt. Und im Fußball werden Gelder gezahlt, während das zum Beispiel im Basketball sehr unüblich bis zu einem gewissen Niveau ist. Wer bei uns in der Verantwortung steht, hat aber einen guten Blick darauf.

Schaffen die Basketballdamen den Klassenerhalt in der Landesliga?

Für unsere Basketballerinnen stehen noch drei Spiele an. Das wird sehr schwer. Stand jetzt würde der Platz, den wir haben, zum Klassenerhalt berechtigen. Ob wir da noch stehen, müssen wir gucken.

Und gelingt den Fußballern der Aufstieg? Sie waren selbst am Platz am Sonntag.

Ja, durch den Sieg am Sonntag ist es ja wieder spannender geworden. Ich habe mich darüber sehr gefreut. Das war eine gute Leistung, besonders in der zweiten Halbzeit. Ich drücke die Daumen. Es ist ja jetzt durchaus möglich.

Quelle: Ruhr-Nachrichten